Floh im Ohr

Kreativ-Blog und Podcast

Archiv für September, 2006

Wir sind krank…

Ich hatte diesen Text als Kommentar im Blog von Sören Fenner gepostet, aber ich möchte das auch “nicht-Kommentarlesern” nicht vorenthalten:

…Selbstausbeutung und Ausbeutung anderer…

Ich möchte als Vollzeitarbeitender von meiner Arbeit leben können. Lese ich die haarsträubenden Anfragen nach ausgebildeten Schauspielern, die mindestens 4 Wochen ohne Probenpauschale proben sollen und dann an den Einnahmen beteiligt werden, frage ich mich, was das soll. Kein Schauspieler, der sich selbst und seinen Beruf ernst nimmt, könnte so was öfter machen. Vielleicht mal zur Überbrückung um spielen zu können, aber erstmal muß die Miete gezahlt werden!

Was mich mehr ängstigt ist die Selbstausbeutung: mich würde mal die Krankheitsstatistik für Schauspieler und ähnliche Künstlerberufe interessieren. Gibt es vermutlich nicht.
Eine Kollegin stand neulich in einem Kinderstück auf der Bühne, obwohl sie eine völlig reale und unbehandelte Fischvergiftung hatte! Sie spielte, lief hinter die Bühne, erbrach sich und spielte weiter, bis es nicht mehr ging und eine Kollegin aus dem Off ihren Text hineinrief. Sie kam ins Krankenhaus, Magen ausgepumpt und am nächsten Tag gings weiter. Und das alles dann noch mit schlechtem Gewissen, weil sie die Vorstellung nicht zuende gespielt hat.

Das ist doch verrückt! Und trotzdem machen wir das wohl alle so. Das Streben nach perfekter Funktion und niemanden enttäuschen übersteigt manchmal jede Eigenverantwortung uns selbst gegenüber. Erkältungen verschleppen wir grundsätzlich auf der Bühne, gebrochene Körperteile werden mit dem breitesten Lächeln runtergespielt. Das ist nicht nur krank, davon werden wir erst richtig krank! Schwanken zwischen Bett und Bühne, juchuh! Aber ich würde es genauso machen. Da es in der Regel keine Zweitbesetzung gibt und ausgefallene Vorstellungen kosten, fällt mir auch keine andere Lösung dafür ein. Aber es ist krank!

  • 1 Kommentar
  • Abgelegt in: Allgemein, Theater
  • Wieder ein Jahr älter geworden und endlich habe ich das nötige Equipment, um mich sprachlich auszutoben und verwertbares Material zu erhalten. Zugleich entflammt erneut der Spaß am Schreiben. Nicht verwunderlich, daß ein Text entstanden ist, der sich mit dem Theaterleben befasst. Das Blog würde sich nun hervorragend dafür eignen, diesen Text einfach abzubilden, aber schöner finde ich es, euch den Text selbst vorzutragen. Es dauert exakt 6:20 Minuten, sich den Text zu Gemüte zu führen. Desweiteren benötigt ihr eine Minute, danach einen Kommentar dazu zu hinterlassen. Ich zähle auf Euch! :)

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