Kreativ-Blog und Podcast
23 Okt
*pfeif* … *macbeth* … *toi toi toi – DANKE!* …
Ich persönlich gebe nichts auf den Aberglauben, der an den Theatern noch immer praktiziert wird. Ich bedanke mich reflexhaft fürs toitoitoi und kann nicht sagen, daß deswegen je etwas schiefer ging, als sonst. Ich pfeife auch sehr gerne vor mich hin, ob hinter der Bühne oder vor der Vorstellung hinterm Vorhang, wenn noch kein Publikum da ist. Allerdings bemühe ich mich, Kollegen nicht absichtlich damit zu provozieren. Einmal wurde ich überraschend angefaucht, als ich weitab der Bühne mittags vor dem Stück in den Katakomben des Aufführungssaales einer Stadthalle (!) vor mich hin pfiff. Da war es dann aber auch mal genug!
Wieso müssen wir jungen Schauspieler uns den alten Aberglauben eintrichtern lassen? Ich sehe das nicht ein. Gut, wenn ein alternder Darsteller vor mir steht, pfeife ich ihm nicht die Ohren voll, lasse mich aber auch nicht agressiv anmotzen! Ich bin für gegenseitigen Respekt in diesen offenbar kritischen Fällen: man kann ganz normal darum bitten, das Pfeifen einzustellen, weil man eben selber an dem Aberglauben festhalte. Durch harrsches Anfahren erreicht man bei mir nur eine Gegenhaltung. Hat es irgendeinen Nutzen, diese alten Bräuche zu erhalten? Ist es wichtig für Theaterschaffende, dieses historische Denkmal immer weiter zu pflegen? Ich erschrecke immer, wenn ich junge Schauspieler höre, die mir ungefragt erzählen, was ich dürfe und was nicht. Was meint ihr dazu?
Mehr Aberglaube im Theater gibt es in der Wikipedia: Aberglaube
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7 Kommentare for "Aberglaube im Theater"
Hi Florian,
von dieser Seite habe ich das noch gar nicht gesehen! Gerade habe ich meinen Schülern an der Joop van den Ende-Academy von den verschiedenen Aber-Gläuben erzählt und sie gefragt, ob sie die schon kennen. Aber Du hast völlig recht: warum soll man sinnlose uralte Hemmschuhe nicht einfach abwerfen??
Ich fand es auch immer schrecklich, mich nach einem herzlichen Toitoitoi-Wunsch nicht bedanken zu dürfen.
In diesem Sinne mein Vorschlag: lassen wir die alten, einschränkenden Traditionen sein und erfinden wir NEUE!
Zum Beispiel den, dass jeder in seinem Leben großes Unglück haben wird, der einen Schauspieler nicht anständig bezahlt.
Also, ich mag die Theater-Aberglauben! Keiner tut mir weh und für fast alle gibt es spannende Erklärungen!
Ich finde es angenehm, mich im Theater anders zu verhalten, als im normalen Leben und da es mich sowieso nervt, wenn Leute vor sich hin pfeifen, vermisse ich absolut rein gar nichts
Das wäre natürlich mal eine Tradition, die ich auch unterstützen würde: gute Bezahlung! Ich hoffe, das setzt sich noch in diesem Leben durch
[...] Premieren sind doch immer besondere Tage. Anrufer wünschen “toi toi toi” und “Viel Glück!”, manchmal auch “Viel Spaß”, was ich am liebsten höre. Alle sind aufgeregt, aus verschiedenen Gründen. Vielleicht ist eine Requisite noch immer nicht da, die Generalprobe lief unerwartet gut, also ist die Premiere in Gefahr (siehe “Aberglaube im Theater“). [...]
Hm, was soll man denn sonst sagen, wenn einem jemand Toi Toi Toi wünscht!?
Glück bringt das „Toi-Toi-Toi“ vor den Aufführungen und das ist nichts anderes als eine Verballhornung des Fluchs „Teufel, Teufel, Teufel“.
Richtige Antworten darauf sind „Hals- und Beinbruch“ (vom Jiddischen hasloche un’ broche – Glück und Segen) oder „Wird schon schief gehen“, aber absolut niemals „Danke“.
Ich finde diesen übertriebenen Theateraberglauben ganz schrecklich und einengend. Gerade das Theater sollte ein Ort sein, an dem man frei denken dürfen sollte und sich geistige Kreativität mit Innovation paaren sollte, statt mittelalterlichen Bräuchen ohne Hinterfragen nachzujagen.
Ich begegne immer wieder dummen Ermahnungen wegen des Aberglaubens von Leuten, die meiner Meinung nach nur einen Kult erhalten wollen bzw. ihre Liebe zu diesem Kult einem aufzwingen, immer mit dem versteckten Glauben, sie wären was besonderes, weil sie Teil dieser besonderen Welt/des Kults sind. Aber diese besondere Welt nimmt keinen Schaden ohne Aberglaube.
Im Gegensatz zu diesen vielen, die meistens erst spät ans Theater gekommen sind und sich damit vielleicht sogar ihren Lebenstraum erfüllt haben, bin ich ein “ganz normales richtiges” Theaterkind, also aufgewachsen und geprägt von Theatergeist und Theaterluft und gewöhnt, frei denken zu dürfen. Die sogenannten “Regeln” habe ich nie ernst nehmen können. Zumal der politische Hintergrund meiner Kindheit ein diktatorischer war.
Auch ich liebe das Theaterleben, die Bretter und die verstaubte Atmosphäre, doch ist es der letzte Ort, zu dem dummer alternder Aberglaube passt.
Kreative schöpferische Freigeister sollten sich dort tummeln und nicht Nachäffer der Traditionen, weil sie es nicht besser wissen.
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