Wieder erschüttert ein Amoklauf die Medienlandschaft und wieder preschen Politiker vorschnell nach vorne, ohne Fachwissen zu haben, und verdammen die Computerspiele als Ursache. Es ist zwar nicht Thema meines Blogs, aber hier möchte ich jetzt auch mal eine Lanze für eines meiner Hobbies brechen!

Es gibt keine einzige wissenschaftliche Studie, die zum schlüssigen Ergebnis kommt, daß gewaltverherrlichende Spiele die Gewaltbereitschaft fördern. Immer wieder wird darauf hingewiesen, daß es auf die Gesamtsituation des Betreffenden ankommt. Neben der Tatsache, daß bei den Amokläufern von Erfurt und nun auch Emsdetten, die plakativ in BILD-Manier “Killerspiele” genannten Spiele “Counter-Strike” und “Doom” gefunden wurden, waren diese beiden Personen Außenseiter und hatten große soziale Probleme und offenbar einen leichten Zugang zu Schußwaffen und Sprengstoff, was in meinen Augen wesentlich besorgnisseregender ist, als ein PC voller Action-Spiele.
Über den Täter aus Emsdetten wird auf Tagesschau.de geschrieben: “Der Amokschütze von Emsdetten war fanatischer “Counter-Strike”-Spieler.” Alleine das ist schon bedenklich. Wer fanatisch in einer Sache ist, ist schon von der Norm abgewichen und eben nicht mehr ganz normal.

Ich bin mit PC-Spielen aufgewachsen, habe alle Klassiker von beginn an in viel zu frühem Alter - wenn es nach den Ansichten mancher Politiker geht - gespielt. Mit 13 oder 14 habe ich schon Doom und Doom 2 gespielt, Wolfenstein, Heretic, Hexen und wie sie alle hießen. In meiner Schulzeit auf dem Gymnasium haben wir erreicht, daß wir in der sogenannten Projektwoche für ein solches Spiel die Schule ganz offiziell nachbauen durften. Den meisten Teilnehmern diente das aber nur als Vorwand, um im Netzwerk zu spielen. Ich baute selber an dem Level mit. Später arbeitete ich ein dreiviertel Jahr bei einer bekannten Spielefirma als Leveldesigner. Ich habe immer den Spaßfaktor an allem gesehen, keine Aggression abbauen müssen. Mit meinem Mitbewohner in unserer WG spielten wir Quake 3 darum, wer den Abwasch macht.

Wenn diese Spiele gewaltbereit machen, dann muß ich ein kaltblütiger Killer sein, keine Frage. Aber ich wüßte nicht einmal, wie ich ein Gewehr laden müßte und womit, da ich in einem Spiel einfach nur einen Knopf drücke und alles automatisch passiert. Ich habe den Wehrdienst verweigert, Zivildienst beim Roten Kreuz und einem Schwerbehinderten absolviert. Mein Umfeld stimmte immer, ich hatte noch viele andere Hobbies, war nie isoliert und hatte immer Freunde, war gesellschaftlich voll integriert. Mich haben diese Spiele nie agressiv gemacht. Nach meiner eigenen Erfahrung sage ich, dieser vermeintliche Killer-Virus, der von diesen Spielen ausgehen muß, existiert nicht und wenn doch, kann er durch ein ausgeglichenes Leben vollkommen neutralisiert werden. Und so geht es wohl den allermeisten Betroffenen - den “normalen” Spielern nämlich - die jetzt über einen Kamm geschert werden wegen zweier geistig verwirrter Menschen.

Ich bin absolut gegen eine Bevormundung durch die Politik in dieser Sache. Es sollten eher die eindeutig bewiesenen Mißstände beseitigt werden, anstatt hier einen Schnellschuß für Wählerstimmen abzufeuern. Computerspieler sind keine potentiellen Killer!

Und bitte, liebe Spieler, argumentiert vernünftig und differenziert in Foren und der Öffentlichkeit, wenn ihr unser Hobby darstellt, denn auch daraus kann ein falsches Bild entstehen.

Liebe Politiker, haltet euch an Volker Beck, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, er ist auf dem richtigen Weg, wenn er sagt, es müsse eine “Debatte um Förderung von Medienkompetenz und einer sinnvollen Computernutzung geführt werden”.

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